Heute werden sie Netzwerke genannt, gestern Ehrenamt, alles wichtige Bestandteile des Milizsystem Schweiz – ging es aber um Arbeit waren nur die Frauen gefragt. Die Geschichte der Freiwilligkeit in der Schweiz wurde in einem sehr klugen Projekt untersucht: Freiwilligkeit und Geschlecht. Neuverhandlung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung seit den 1970er-Jahren unter der Leitung von Prof. Dr. Regula Ludi. https://data.snf.ch/grants/grant/200458
Freiwilligenarbeit: Frauen in den 1970er und 1980er Jahren engagierten sich untereinander, stopften die Löcher des Sozialstaates und transformierten die Schweiz von einem erzpatriarchalen Land in einen modernen Staat. Freiwilligkeit als revolutionäres Potential zwecks Befreiung der engen Frauenrollen. Mit der WTO, im Zuge der uneingeschränkten Globalisierung und Migration bei gleichzeitiger Professionalisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche, werden bürgerliche und revolutionäre Konzepte der Freiwilligkeit aufgelöst: Es bleiben vorwiegend Staat und Kapital. Wirklich? Ein hochkarätiges Podium in Bern geht diesen spannenden Fragen freiwillig nach.
Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.
Die Zerstörung der Grammatik der Tatsachen. UPDATE zu 9/11 auf Tel Aviv, 3. Oktober 2026: Die «Auseinandersetzung» war ein Terrorakt. Regula Stämpfli, laStaempfli über Algorithmen, Codes, Medien und weshalb der Journalismus unsere liberalen Demokratien mehr und mehr verrät.
Einen Tag nach Veröffentlichung von Regula Stämpflis Medienkritik (siehe https://x.com/laStaempfli/status/2105604654214033538 und weiter unten im Beitrag) ist aus der vermeintlichen «Auseinandersetzung im Cockpit» offiziell geworden, was die Tatsachen von Anfang an nahelegten: ein Terrorakt.
“Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnet den Angriff auf Flydubai-Flug 1073 inzwischen als terroristische Tat. Der Copilot soll den Kapitän nicht bloss mit einem Messer, sondern mit einer im Cockpit befindlichen Notfallaxt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die nach Tel Aviv fliegende Maschine zu erlangen. Berichten zufolge war er bereits früher wegen extremistischer Auffälligkeiten vom Flugbetrieb ausgeschlossen worden. Das Medien immer noch über die Motive spekulieren, ist sehr seltsam und zeigt, wie weit die Legitimierung islamistischen Terrors durch eine individuelle Motivlage fortgeschritten ist. Vor 25 Jahren wäre es keinem Menschen in den Sinn gekommen, die Motive 9/11 je nach Täter unterschiedlich, auszuklabüstern. Die Urteilskraft, was Terror, Täter und Islamist und wer Opfer ist, wird im „Zeitalter algorithmischer Reproduktion“ regelrecht ausgesetzt. Damit erhält das anfängliche Sprachversagen von BBC, ARD, SRF, New York Times und anderen Medien eine zusätzliche Dimension. Die ÖRR & Leitmedien meldeten eine «altercation», einen «fight», einen «struggle», eine «Auseinandersetzung» oder einen «Vorfall». Nun erklären die zuständigen Behörden: Terror.
Aus der Prügelei wurde ein Terroranschlag, ohne dass sich die Tat nachträglich verändert hätte. Verändert hat sich lediglich die behördliche Erlaubnis, die linksislamistisch sensible öffentlich-rechtliche Medien brauchen, um überhaupt den Terror beim Namen zu nennen.
Genau darin liegt das Problem.
Journalistische Vorsicht verlangt, ein noch nicht erwiesenes Motiv als unbestätigt zu kennzeichnen. Sie verlangt nicht, bereits bekannte Handlungen sprachlich zu verniedlichen. Ein Angriff mit einer Axt ist keine Auseinandersetzung. Ein Sturzflug mit 174 Passagieren ist kein Streit unter Kollegen. Der Transpondercode für widerrechtliche Einwirkung ist kein atmosphärisches Missverständnis. Wer Täter und Opfer unter dem Wort «Konflikt» zusammenführt, informiert nicht vorsichtig. Er zerstört die Grammatik des Geschehens.
Die Tatsachen lagen vor. Nur die Wörter durften ihnen nicht folgen.
Schreiben, was ist. Regula Stämpfli.
Hinter dieser sprachlichen Vernebelung steht ein tieferes Problem: die Furcht, eine islamistische Motivation auch nur als begründete Möglichkeit zu benennen. Nicht aus Mangel an Anzeichen, sondern aus Angst vor dem politischen Vorwurf, «islamophob» zu berichten.
So entsteht ein perfekter ideologischer Zirkelschluss:
Islamistische Gewalt darf nicht als islamistisch bezeichnet werden, solange das Motiv nicht abschliessend bewiesen ist. Hinweise auf Radikalisierung dürfen aber ebenfalls nicht offen diskutiert werden, weil bereits deren Thematisierung als Vorurteil gegenüber Muslimen gilt. Wer dennoch fragt, gerät unter Islamophobieverdacht. Und weil kaum jemand diesen Verdacht riskieren will, verschwindet die Wirklichkeit aus der Berichterstattung, die dann zur Wiederholung der islamistischen Ideologie verkommt.
Am Ende gibt es eine Tat ohne Weltanschauung, einen Täter ohne Absicht und Opfer ohne erkennbaren Grund.Das ist keine Rücksichtnahme auf Muslime. Es ist die Preisgabe journalistischer Urteilskraft.
Der Islam ist eine Religion, der Islamismus eine politische Herrschaftsideologie und der Dschihadismus deren terroristische Zuspitzung. Muslimische Menschen verdienen Schutz vor Hass und Diskriminierung. Religionen, Verbände, politische Bewegungen und totalitäre Programme müssen hingegen kritisiert und zwecks Überleben der liberalen Demokratie auch rechtsstaatlich und aktiv bekämpft werden dürfen. Wer diese Ebenen absichtlich vermischt, schützt nicht Menschenrechte. Er errichtet ein informelles Blasphemieverbot.
Terroristen und ihre und ihre westlichen Apologeten profitieren genau von dieser Vermischung: Sie stellen Kritik an einer politischen Ideologie als Angriff auf eine Bevölkerungsgruppe dar. Aus dem Schutz von Menschen wird der Schutz einer Weltanschauung. Aus Antidiskriminierung wird Zerstörung der liberalen Demokratie.
Das ist der Wahnsinn unserer Gegenwart: Eine Ideologie wird aus ideologischen Gründen vor ihrer Benennung geschützt.
Diese Sprachpolitik macht zwei Gruppen unsichtbar.
Sie macht zunächst die Opfer islamistischer Gewalt unsichtbar: Juden, Israelis, säkulare Muslime, Ex-Muslime, Frauen, Homosexuelle, Oppositionelle, Journalistinnen und all jene, die unter religiös begründeter Herrschaft leben oder vor ihr geflohen sind.
Und sie macht jene Muslime unsichtbar, die selbst gegen Islamismus kämpfen. Wer jede Kritik und Benennung des politischen Islam als «islamophob» bezeichnet, unterstellt letztlich, alle Muslime müssten mit islamistischen Forderungen identifiziert werden. Genau das ist die Pauschalisierung, die angeblich bekämpft werden soll. Die erste Pflicht des Journalismus lautet deshalb nicht, eine Religion zu schützen oder eine politische Empfindlichkeit zu verwalten. Seine erste Pflicht gilt der Wirklichkeit und sagen, was ist.
Origiginalartikel auf X von Regula Staempfli: ***„Auseinandersetzung“: Wie BBC, ARD, SRF, N.Y. Times einen Anschlag als Auseinandersetzung in der Teeküche behandeln.
Von Regula Stämpfli
Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpittür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug.
Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.
CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.
George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.
Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.
Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.
Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.
Wer die Rettung wie SRF als Würdigung durch Würdenträger erzählt, erzählt nicht den Flug. Er erzählt die eigene Angst vor dem Wort. Orwell hätte dies sofort entlarvt, Hannah Arendt hätte dies dokumentiert. Es ist eine Schande, eine bösartige Manipulation und eine organisierte Desinformation, die hier dokumentiert werden muss
Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung
Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026
1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden
Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.
2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk
Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.
3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit
Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.
4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit
Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.
5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts
Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?
6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen
Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.
7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin
Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.
8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt
Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.
9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben
Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.
10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung
Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.
Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.
Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpit-Tür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug. Wäre der Flug nicht vom beherzten Kapitän, unter Einsatz seines eigenen Lebens und der israelischen Besatzung im Flugzeug, wieder auf Kurs gebracht worden, wäre ein Verbrechen in der Dimension von 9/11 geschehen: Das Flugzeug war auf Kurs von Tel Aviv – es hätte wohl als Werkzeug der terroristischen Verheerung dienen sollen.
Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.
CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.
George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.
Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.
Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.
Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.
George Weinberg und Regula Stämpfli im Gespräch über die Kunst des Widerspruchs, über die Kunst der Politik.
Ein Land, zwei Lager und eine politische Debatte, die festgefahren scheint. Wenn wir über die Zukunft der westlichen Welt sprechen, fällt ein Name unweigerlich zuerst: Donald Trump. Für die einen ist er ein rotes Tuch, für die anderen ein notwendiger Disruptor. In diesem Podcast geht es um die Kunst der Politik und das Experiment, die eigene laStaempfli Komfortzone der links-feministischen Bubble zu verlassen und einen sehr klugen Gesprächspartner zu Wort kommen zu lassen. Wir blicken mit George Weinberg (Unternehmer, Berater, Geschäftsführer “Grundwert USA” und Republicans Oversees) hinter die Kulissen der Macht und fragen: Was, wenn der radikale Bruch mit den alten Konventionen genau das ist, was das System braucht?
Zu Gast ist heute George Weinberg. George Weinberg ist einer der profiliertesten politischen Vertreter der US-Republikaner im deutschsprachigen Raum. Als Vorsitzender und Geschäftsführer der Republicans Overseas Germany repräsentiert er die Interessen der konservativen US-Bürger im Ausland und gilt als überzeugter Verfechter des Trump-Flügels (der MAGA-Bewegung). George Weinberg und Regula Stämpfli sprechen über eine Stunde zur Kunst der Politik, zum Mediafail der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, wenn es um die USA und Israel geht, wir reden über strategische Allianzen und die steile These, weshalb Donald Trump am Ende gut für uns alle sein könnte. Ein Gespräch über Realpolitik abseits der gängigen Schlagzeilen. Schärfen Sie Ihre Argumente, öffnen Sie den Geist – und los geht’s. Zur Webseite George Weinberg, https://www.republicans-germany.de/blog
Kunst entsteht nicht nur dort, wo Menschen einander bestätigen. Sie entsteht auch im Widerspruch, in der Reibung und im Versuch, eine andere politische Wirklichkeit zu verstehen, ohne sie sich zu eigen zu machen.
Eine persönliche Bemerkung von Regula Stämpfli. Mein heutiger Gast, Dr. George Weinberg, vertritt in mehreren Fragen deutlich andere Positionen als normalerweise auf Art Is A Piece of Cake geäussert werden. Besonders in der Einschätzung der AfD liegen Regula Stämpfli und George Weinberg weit auseinander. Gerade deshalb veröffentliche ich dieses Gespräch. Ein Podcast ist kein Gesinnungszertifikat und ein Interview keine Zustimmungserklärung. Art is a Piece of Cake versteht Kunst auch als Kunst des Gesprächs: als Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, Widerspruch kenntlich zu machen und dennoch zuzuhören. Das folgende Gespräch dokumentiert eine demokratische Begegnung auf Augenhöhe – etwas, das viel zu selten passiert.
Nächte der Philosophie 2026 by Regula StämpfliRegula Stämpfli fotografiert HR Giger in Gruyère 2026.
Willkommen im gleichzeitigen polit-philosophischen Denken zu:
Institutionen,
Körper,
Codes,
Geschichte,
Narrative
Neue Architektur der Macht zu den Themen Krieg und Pornokratie
Ich nähere mich meinem Thema Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in drei Schritten:
Zunächst zehn Thesen zu Krieg, zehn zu Pornokratie und dann zehn Thesen von mir, wie wir Krieg und Pornokratie neu denken sollten. Einen Spoiler schon jetzt: Es geht um Menschenfleisch, den Austausch, den Transfer von Körper und Kapital, der in der Geschichte der letzten 6000 Jahre entlang gesellschaftlich gültige Narrative für die radikal sozialen Tiere namens Menschen von globalen Eliten organisiert wurden. Und ja: Es gibt durchaus Narrative, Menschenbilder, die besser sind als andere. Darin unterscheide ich mich vehement von den Sophisten, die Meinungen zu Fakten umdeuten und momentan im Zeitalter digitaler Reproduktion wieder die totalitäre Mehrheit bilden oder zumindest daran sind, diese zu etablieren.
Doch eines ist einfach zu verstehen: In der Menschheitsgeschichte gibt es Menschen, die ihr Fleisch zum Verkauf, zur Miete, zum Gebrauch anbieten müssen, verwendet und verkauft werden, und es gibt ein paar Akteure, Institutionen und Ideologien, die exakt benennt werden müssen, die dieses Menschenfleisch für sich in Anspruch nehmen. Menschen sind Körper, die beschriftet werden. Diese Beschriftung erfolgt zunächst durch mächtige Erzählungen und nistet sich dann unter die Haut ein. Krieg und Pornokratie, die die sog. Sexarbeit strukturiert, also Körperteile auf Zeit als Verfügungsmasse für eine schmale Elite bereitzustellen, lässt sich in die Menschheitsgeschichte einordnen. Es gibt nur eine kurze befreite Epoche, die diesen Tausch verändert hat und zwar die liberale Demokratie.
Pornokratie. Was für ein Wort. Es klingt nach spätrömischer Dekadenz, nach vergoldeten Leibern auf zerfressenen Imperienthronen, nach Pasolini-Filmen voller Dreck, Blut, Sperma und Macht, nach jener letzten Phase einer Kultur, in der der Körper nicht mehr als menschlicher Ausdruck, sondern nur noch als zirkulierende Oberfläche wahrgenommen wird. Und doch beschreibt das Wort die Gegenwart erschreckend präzise. Wir leben in einer Zeit, in der Krieg pornographisch geworden ist und Pornographie kriegerisch. Beide operieren mit denselben Mechanismen: Entmenschlichung, Wiederholung, Emotionalisierung, Reizüberflutung und algorithmischer Verstärkung. Der Körper ist nicht mehr Person, sondern Content. Das Opfer ist nicht mehr Mensch, sondern Bildträger. Und die Gewalt verschwindet paradoxerweise gerade dort, wo sie pausenlos sichtbar wird.
Der Krieg wird ästhetisch konsumiert wie eine Netflix-Serie. Und gleichzeitig wird Pornographie politisch aufgeladen. Jeder Körper wird ideologisch lesbar gemacht. Geschlecht, Hautfarbe, Opferstatus, sexuelle Orientierung, Trauma – alles verwandelt sich in codierte Zeichen innerhalb eines gigantischen digitalen Bedeutungsmarktes. Pasolini verstand dies früher als viele andere. Sein „Salò“ war nie bloss ein Skandalfilm, sondern eine philosophische Diagnose. Der Faschismus, so Pasolini, herrscht nicht allein durch Ideologie, sondern durch die totale Verfügbarkeit des Körpers. Die Konsumgesellschaft vollendet das, was die alten Diktaturen begonnen haben. Der Mensch wird Ware. Der Körper wird Objekt. Das Begehren wird industriell, neu codiert organisiert. Heute, Jahrzehnte später, erscheint Pasolini beinahe prophetisch. OnlyFans, KI-generierte Pornographie, Deepfake-Sexvideos und algorithmische Datingmärkte verwandeln Intimität in eine globale Ökonomie. Millionen junger Frauen und Männer wachsen in einer Welt auf, in der Selbstobjektivierung nicht Ausnahme, sondern Normalität geworden ist. Und gleichzeitig explodiert die Einsamkeit
Menschenfleisch war historisch immer Verhandlungsmasse: Als Söldner und Soldaten verkauft wurden, als Mädchen und Frauen als Tribut, als Sklavinnen der siegenden Macht ausgeliefert wurden. Einzig die westlichen liberalen Demokratien haben dies verändert. Kein Wunder, dass von globalen Eliten sehr mächtig und eindrucksvoll versucht wird, Menschenfleisch wieder ohne Probleme verkaufen und verhandeln zu können. Sei dies via Codes, automatisiert, sei dies für Kriege, kurz, die Errungenschaft der Moderne, die aus dem Christentum stammt, die Sklaverei zu verbieten, soll rückgängig gemacht werden und es ist eindrucksvoll wie Medien, Kulturschaffende, Intellektuelle dies wie in der Sowjetunion, wie in den sozialistischen und marxistischen Totalitarismen in Verbindung mit der jüngsten faschistischen Strömung, dem Islamismus, mittels Codes tatsächlich zu schaffen scheinen.
In der Geschichte der Philosophie spielt das Menschenbild die grundsätzliche Rolle für das jeweilige politische System. Wir wissen dies von den Souveränitätslehren der Aufklärung; Je nach Menschenbild entwickelt sich Herrschaft. Im Zeitalter codierter Fiktionen und Reprioduktionen ist das Menschenbild eines, das auf Auflösung der Biologie basiert. Wie im Christentum wird der Körper verteufelt, dafür die Ideologie geheiligt: Die Seele und auch den Geist gibt es nicht, dafür den Code, den Sprechakt, der Biologie auflösen soll. Krieg und sexuelle Gewalt sind immer an Narrativen gekoppelt. Denn kein Mensch führt aus freien Stücken Krieg, kein Mensch, ausser den Perversen, den krank sozialisierten und stumpfen Männern, würde einfallen, die schlimmste sexuelle Folter anzuwenden, ausser eben es gibt ne gute Geschichte dazu. Dann ist alles machbar. Die neuen technischen Mittel werden immer zuerst auf Krieg und Pornographie angewendet. Bildgebende Verfahren operieren seit über 150 Jahren mit Bildern, die emotionalisieren, entmenschlichen, Unaussprechliches legitimieren. „Im Zeitalter der digitalen Reproduktion“ sind die ikonografischen und philosophischen Bilderrevolutionen algorithmisch verstärkt. Es verschränken sich so ideologische Narrative und materielle Politik: Der Körper wird zur Ware, das Schlachtfeld zum Content, Gewalt zur ästhetischen Oberfläche. Künstliche Intelligenz, Plattformen wie Grok, Gemini, ChatGPT beschleunigen diesen Prozess und produzieren Informationen, die auf Deepfakes, KI-generierten Bildern, basierend auf codierten pornographischen Menschenbildern bauen und Krieg inszenieren, lange bevor die Fakten überprüft sind. Schlimmer noch: Die Wirklichkeit, wie in jedem Krieg, spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr und wer es wagt, Wahrheit, Fakten zu schreien, wird hingerichtet.
„In Marianne Feders Kriminalroman «Die Kur. Rabbi Elis zweiter Fall» steht eine unkonventionelle Ermittlerin im Zentrum, die sich weder von Autoritäten noch von gesellschaftlichen Erwartungen einschüchtern lässt. Rabbi Eli ist eine starke, aufgeklärte und kluge Frau: intellektuell ebenso überzeugend wie spirituell, selbstsicher und sich ihrer persönlichen Ausstrahlung durchaus gewiss. Ihre riskanten Nachforschungen führen sie in ein Geflecht aus Abhängigkeiten, verdrängten Wahrheiten und subtiler Manipulation.Besonders eindrucksvoll sind Feders profunde Kenntnisse der Theorie und Geschichte der Psychotherapie. «Die Kur» zeigt eindrucksvoll, wie therapeutische Autorität entsteht, Deutungshoheit missbraucht und vermeintliche Hilfe zum Instrument der Kontrolle werden kann.„
Die Schriftstellerin und Kunsttherapeutin Marianne Feder vermittelt in ihren Romanen moderne, liberale und vielschichtiges Bilder jüdischen Lebens in Europa und in N.Y. – mit Ausflügen in die jüdische Geschichte bspw. von Odessa. Die Romane unterscheiden sich deutlich von den konfliktdominierten Bildern vieler Nachrichtensendungen über Israel und das Judentum und sie sind, neben brillanten Dialogen und literarischen Leckerbissen unfassbar komisch. Kulturelle und historische Hintergründe verbinden sich bei Marianne Feder mit einem leichten Zug ins Absurde; die Stories sind unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich. Gerade in einer Zeit, die sich verstärkt mit Antisemitismus auseinandersetzen muss, ist dieser scharfsinnig gemachte Krimi von besonderer Aktualität – von Rabbi Eli und Marianne Feder werden wir in Zukunft noch viel mehr hören und erfahren. Das Gespräch zwischen der Schriftstellerin Marianne Feder und Regula Staempfli gehört zur wunderbaren Tradition des „sprechenden Denkens“ und macht Lust auf die Romane von Marianne Feder. Regula Staempfli würde sich ja über eine hochkarätige Netflix-Serie enorm freuen.
Seit 2020 führen Isabel Rohner und Regula Stämpfli gemeinsam den Podcast «Die Podcastin». 2021 wurden sie für den Grimme Online Award nominiert. Als erstes Frauenduo im deutschsprachigen Raum verbanden sie Woche für Woche Frauen mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst, Literatur und Geschichte. Seither begleiten sie die politischen, verfassungsrechtlichen und digitalen Umbrüche unserer Gegenwart: kenntnisreich, engagiert, literarisch und poetisch – und immer mit der Lust am klugen Widerspruch.
In der neuen Folge sprechen die beiden u.a. über die Erzbischöfin der anglikanischen Kirche, ihre irritierende Nähe zum Islamismus und einen Preis, den sie zurückgeben musste. Das bei der Verleihung entstandene Bild – neben dem Preisträger dessen vollständig schwarz verhüllte Ehefrau – verdichtet die Widersprüche dieser Geschichte zu einem Symbol von seltener Brisanz. Ausserdem: die FLINTA-Orwell-Neusprechanlagen öffentlich-rechtlicher Institutionen und der schleichende Niedergang einer einst grossartigen Gleichstellungspolitik in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Und schliesslich eine der besten Debatten über Briefwahl, über das Wahlrecht von Bürgerinnen und Bürgern im Ausland – und darüber, was Berlin 2026 für uns alle bedeuten könnte.
Die Podcastin: zwei Frauen, zwei unverwechselbare Stimmen und keine Angst vor den Fragen, denen andere lieber ausweichen. Jetzt hören.
Bild kreiert von Denkmaschine laStaempfli aufgrund einer realen Fotovorlage. 2026.
In der “Basler Zeitung” freut sich ein linksextremer Schwärmer, dass die linksextreme Elif Eralp mit grosser Wahrscheinlichkeit zur ersten Bürgermeisterin türkischer Abstammung in Berlin wird. Ihr Vorbild sei Zohran Mamdani, eine Lichtgestalt, wenn wir der “Die Zeit” vertrauen wollen. Hier eine fulminante Medienkritik von Regula Stämpfli über das Unterdrücken klassisch antisemitischer Programme. Judenhass? Ist nur noch eine kleine Anmerkung im Siegeszug der islamogauchiste Linken in allen Grossstädten. “Paul Middelhoffs Text in der Wochenzeitung »Die Zeit« beginnt wie ein Broadway-Titel: »If he can make it there …« Da ist sie, diese Atmosphäre! Ein Aufbruch, der, so toll erzählt, in einem etwas zugemüllten Raum beginnt, mit Marx-Lektüre, Pronomen-Runde und Menschen, die an die »richtige Revolution« glauben. Es riecht nach Theorie, Klischees, Nudeln und Aufbruch. New York ist teuer, die Mieten sind absurd und der Sozialismus plötzlich sexy. Mittendrin steht Zohran Mamdani, lächelnd, elegant, volksnah: der Mann, der das Unmögliche möglich gemacht hat. Damit ist die Dramaturgie im Artikel gesetzt. Mamdanis Sozialismus erscheint als logische politische Antwort. Sein Verhältnis zu Israel und zu den Juden hingegen erscheint als rein psychologisches Problem. Der verräterischste Satz steht groß über der Seite: »Da ist auch Angst. Davor, dass in ihm ein Israel-Feind steckt, vielleicht sogar ein Antisemit.« Aha. Angst also. Nicht politische Entscheidungen, Äußerungen, Allianzen. Nein, da ist ein »Muster« – Juden haben halt Angst, aber Mamdani macht eben Politik – richtige Politik! Im Text handeln nur Mamdani und seine fanatischen Anhängerinnen – seine Kritiker fühlen nur. Sie empfinden Unbehagen – als ob Antisemitismus und aktive Israel-Vernichtungspolitik ein Gefühl und nicht politische Programm wäre. So funktioniert Framing. Sozialismus wird zur Politik, Antisemitismus zur Befindlichkeit. Daran ist alles falsch. Ob »in Mamdani« ein Antisemit »steckt«, ist die falsche Frage. Demokratie beurteilt keine Herzen, sondern Sprache, Entscheidungen, Personal und Macht. Antisemitismus ist kein geheimes Gefühl im Innern eines Politikers. Er ist ein Code, der bestimmt, wessen Geschichte sichtbar bleibt, wessen Angst ernst genommen wird und wer aus den Institutionen verschwindet. Genau diese institutionelle Ebene unterschlägt das Porträt der »Zeit«-Edelfeder Paul Middelhoff, obwohl es doch so viele Beispiele dafür gibt. Am ersten Amtstag kassierte Mamdani viele Erlasse seines Vorgängers Eric Adams in einem Paket (Trump nicht unähnlich). Darunter war die Übernahme der Arbeitsdefinition der »International Holocaust Remembrance Alliance« zum Antisemitismus – jene Definition, die auch bestimmte Formen der Israel-Dämonisierung als antisemitisch erfasste. Selbst nach Protesten wurde sie nicht ersetzt oder ergänzt. Man wolle keine kodifizierte Definition von Hass, ließ Mamdanis Büro verlauten. Das ist keine Befindlichkeit. Das ist klare Amtsmacht. Zohran Mamdani hat das Existenzrecht Israels bejaht, sich aber geweigert, Israel als jüdischen Staat zu anerkennen. Das ist keine Wortklauberei. Eine Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels arbeitet also ohne verbindlichen Maßstab dafür, wann Israelhass in Judenhass umschlägt.
Im Juli 2026 protestierten vier jüdische Juristenvereinigungen dagegen, dass Mamdanis 18-köpfiger Ausschuss für Richterempfehlungen keinen einzigen jüdischen Juristen umfasste. In New York stellen Juden einen sehr großen Teil der Anwaltschaft. Das Büro des Bürgermeisters bestritt die Leerstelle nicht. Es verwies lediglich darauf, dass der Bürgermeister auch jüdische Richter ernannt hätte. Beides gehört zur Wahrheit. Eine Zeitung wie »Die Zeit«, die sich sonst sehr für Diversity und Anti-Diskriminierung stark macht, müsste zumindest fragen, warum ausgerechnet Juden in einem angeblich repräsentativen Querschnitt New Yorks fehlen. Kurz zuvor hatte eine von der Stadt verbreitete Karte die Einwanderungsquartiere »Little Palestine« und »Little Egypt« verzeichnet, die zahlreichen jüdischen Einwanderungsräume jedoch ausgelassen. Die Karte stammte aus dem Jahr 2023 und wurde von Mamdanis Verwaltung ergänzt und erneut publiziert. Nach Protesten versprach der Bürgermeister Korrekturen. Auch das ist fair.
Die Episode zeigt trotzdem, wie Auslöschung heute oft funktioniert: nicht durch ein Verbot, sondern durch eine Karte, auf der bestimmte Menschen einfach nicht stattfinden. »Die Zeit« hätte darin ein Thema erkennen können. Stattdessen liefert sie Atmosphäre.
Die wirklich hässlich redaktionelle Choreografie sitzt jedoch unter dem großen Foto von Mamdani in den kleineren Bildern. Unter Jacob Kornbluh steht: »Besorgt: der jüdische Reporter.« Unter Rama Duwaji: »Beliebt: Mamdanis Frau.« Unter Darializa Avila Chevalier: »Berüchtigt: die Aktivistin.« Drei Wörter, eine Ideologie. Der Jude erhält eine Emotion. Die Frau des Bürgermeisters erhält sozialen Glanz. Die Radikale erhält rebellisches Kapital. Gerade bei Rama Duwaji wäre Nüchternheit angebracht. Die Associated Press und andere Medien berichteten über ältere Posts, für die sie sich später entschuldigte. Nach dem 7. Oktober 2023 likte sie Beiträge, die den Hamas-Überfall als Widerstand feierten. Sie lieferte eine Illustration zu einem Band im Umfeld der Autorin Susan Abulhawa, die Juden in brutaler Sprache entmenschlicht. Mamdani nannte Abulhawas Sprache unangepasst, erklärte im selben Atemzug seine Ehefrau zur Privatperson. Dies ist keine Randnotiz für »beliebt«. Noch schwerer wiegt Hasan Piker, der reichweitenstarke Streamer, der öffentlich behauptet hat, Amerika habe 9/11 verdient. Piker gehört ins engere Umfeld von Mamdani. Bei einem rechten Politiker würde »Die Zeit« dies nicht unter »Charisma« des Bürgermeisters abbuchen, sondern als ziemlich umstrittenes Netzwerk entlarven. Und Darializa Avila Chevalier ist nicht einfach »berüchtigt«, sondern eine ausgesprochen laute Antizionistin, die am 8. Oktober 2023 auf die Straße ging, um für die Hamas zu demonstrieren.
»Globalisiert die Intifada«: Mamdani solidarisiert sich mit der Mordwelle gegen unschuldige jüdische Zivilisten während der »Intifada«.
Selbst Alexandria Ocasio-Cortez hatte diese Kundgebung wegen der Verharmlosung der Hamas-Gewalt kritisiert. Es ist also sicher keine Folklore, wenn genau beschrieben wird, mit wem sich der Bürgermeister solidarisiert. Den Slogan »Globalisiert die Intifada« hat Mamdani übrigens auch nie verworfen, aber das scheint »Die Zeit« ohnehin nicht zu stören. Möchten die Redakteure in Hamburg nicht wissen, oder ist es ihnen egal? Bei der letzten »Intifada« haben palästinensische Terroristen mehrere Hundert unschuldige Juden in Israel ermordet. Mamdani solidarisiert sich mit diesen Morden, indem er diesen Schlachtruf verwendet. Ein Skandal? Mitnichten. Juden zählen nicht! Beziehungsweise fast nicht. Zugestanden wird ihnen immerhin, Angst zu haben. Immer diese Juden mit ihren Gefühlen und dieser irrationalen Angst!
Der größte kosmetische Eingriff aber betrifft die Herkunft. Mamdani wird als Sohn mit »indisch-ugandischen Wurzeln« eingeführt. Das klingt nach Rand, Migration, Aufstieg. Er ist der Sohn der Filmemacherin Mira Nair und des Columbia-Professors Mahmood Mamdani. Privilegierte Schulen, elitäres College, eine global bewegliche Kultur- und Wissenschaftselite. Daran ist nichts Verwerfliches.
Aber: Ein rechter Politiker mit den Ansichten von Mamdani würde von der »Zeit« massiv kritisiert werden. Zu Recht.
Verwerflich ist die Maskerade, die aus zwei geografischen Adjektiven eine Legende vom Rand konstruiert. »Wurzeln« sind in diesem Text kein Befund. Sie sind Make-up. Bei einem rechten Politiker würde dieselbe Zeitung nach Elternhaus, Schulen, Netzwerken und ideologischer Sozialisation fragen. Hier genügt die magische Formel, und aus dem Sohn zweier prominenter, dezidiert antizionistischer Intellektueller wird ein authentischer Repräsentant der Einwandererstadt. Dieser doppelte Standard trägt das ganze Porträt. Ein Rechter mit einem judenfreien Richtergremium, einer Verwaltungskarte ohne jüdische Quartiere und einer antisemitisch gefärbten Entourage würde nicht als aufregendes demokratisches Experiment beim Italiener beobachtet. Man würde ein Netzwerk zeichnen. Man würde fragen, wie aus solchem Ressentiment schnell gefährlich institutionelle Macht wird. Zu Recht.
Mamdanis Judenhass stört nur das Flirten der »Zeit« mit Rebellion, Revolution und dem »guten Sozialismus«.
Was für eine vertane Chance von der »Zeit.« Dabei ist es so offensichtlich: Bei Mamdani sticht Gaza jedes Mal die Sozialpolitik. Der Sozialismus mag Wärme liefern, die postkolonialen Gefährten indessen kennen nur Kälte gegenüber Israel und den Juden. Bei Mamdani kommt der politische Islamismus nicht mit Bartzwang, sondern als bunte Koalition und mächtige Bündnisform daher – jung, postkolonial, mit dem Versprechen auf bezahlbare Mieten und Karrieren für die junge Generation, gern mit muslimischem Hintergrund, und immer mit einem Antipoden im rhetorischen Gepäck: der einzige jüdische Staat als universelles Symbol des Bösen. All das fehlt im »Zeit«-Artikel über Zohran Mamdani. Nicht weil die Fakten unbekannt wären. Sondern weil es das Flirten mit Rebellion, Revolution und dem »guten Sozialismus« stört. Paul Middelhoff hat Atmosphäre geliefert. Mundgerecht für den 0815-»Zeit«-Leser, der am 9. November die tote Juden beweint, an allen anderen Tagen aber umso mehr aus dem jüdischen Staat einen Täterstaat konstruiert, der abgeschafft gehört. Die Institutionen hat Middelhoff stehen lassen. Genau dort entscheidet sich, ob Juden in New York vorkommen – oder nur noch Angst haben dürfen.
Regula Stämpfli, Regula Staempfli, liest Nolan gegen Homer: Nicht der Krieg steht im Mittelpunkt, sondern die Frau, die bleibt. Regula Staempfli reads Nolan against Homer — and finds, at the center, not the war, but the woman who remains.
Homer, Penelope and Nolan revisited by laStaempfli. Here Athene in Vienna. An “Artisapieceofcake” Podcast from Regula Staempfli, listen here directly (in English).